Was ist los mit der europäischen Linken?

Makroskop, 09. Juli 2019.

In kaum einem der unzähligen Artikel, die derzeit die Ergebnisse der Wahl des neuen Europäischen Parlaments (EP) kommentieren, wird die nicht-sozialdemokratische radikale Linke erwähnt. Dies ist ein Ausdruck von wohlverdienter Missachtung. Vor fünf Jahren wurde die Linke, unter dem unbeholfenen Kürzel GUE / NGL (Confederal Group of the European Left/Nordic Green Left) von niemand anderem als Alexis Tsipras angeführt. Später wurde Tsipras als griechischer Premierminister Angela Merkels Lieblingsschüler in der hohen Kunst des Verrats. Nach Aufnahme verschiedener Splittergruppen raffte die GUE / NGL im Laufe der Zeit 52 Sitze zusammen, etwas weniger als sieben Prozent der 751 Sitze des EP. Jetzt, nach den Neuwahlen, hat sie nur noch 38 Mandate, ein Verlust von mehr als einem Viertel. (…)

Weiterlesen auf makroskop.eu


English version:
Four Reasons the European Left Lost

Jacobin online, May 30, 2019.

Read the full article on jacobinmag.com


Spanish version:
¿Qué pasa con la izquierda radical en Europa?

El Salto, June 12, 2019.

Read the full article on elsaltodiario.com

Der alltägliche Kommunismus

Blätter für deutsche und internationale Politik 6/2019, 93-105.

Die Eigentumsfrage ist die offene Wunde der kapitalistischen Gesellschaft; in ihr liegen die Nerven blank. Wer in sie hineinfasst, wie der Jungsozialist Kühnert, darf sich nicht wundern, wenn der Kranke beginnt, um sich zu schlagen. „Kollektivierung!“ Auch wenn es dem Nachwuchsmann nur um BMW ging, den skrupellosen Dealer sinnfreier Glitzerprämien für selbstlose Aufopferung im Dienste nicht enden wollender Kapitalakkumulation, so weckte doch sein „Zeit“-Interview, Nebenprodukt hektischer politischer Umtriebe, nicht totzukriegende Erinnerungen an den alltäglichen Kommunismus, der unserem alltäglichen Kapitalismus unterliegt und ihn faktisch überhaupt erst ermöglicht. (…)

Weiterlesen auf blaetter.de [Bezahlschranke]

Un empire européen en voie d’éclatement

Le Monde Diplomatique, Mai 2019, 1, 20-21.

Qu’est-ce que l’Union européenne ? Le concept le plus proche qui vient à l’esprit est celui d’empire libéral ou, mieux, néolibéral : un bloc hiérarchiquement structuré et composé d’États nominalement souverains dont la stabilité se maintient grâce à une distribution du pouvoir d’un centre vers une périphérie.

Au centre se trouve une Allemagne qui essaie avec plus ou moins de succès de se dissimuler à l’intérieur du noyau dur de l’Europe (Kerneuropa) qu’elle forme avec la France. Elle ne veut pas être considérée comme ce que les Britanniques appelaient une « unificatrice du continent », même si, en réalité, c’est bien le cas. Le fait qu’elle se cache derrière la France constitue pour cette dernière une source de pouvoir. (…)

Continuez sur monde-diplomatique.fr [Registration needed]


English version:

The EU is a doomed empire

Published in Le Monde Diplomatique – English Edition, May 01, 2019.

Read the full article here [Registration needed]

Lieber den Deckel draufhalten

ZEIT online, 27.03.2019

Europa ist die Antwort“ – so der Slogan der SPD zur Wahl des Europäischen Parlaments. Aber was ist die Frage? Und welches Europa? Wissen kann man, um was für ein Parlament es geht: eins ohne gesetzgeberisches Initiativrecht (das liegt beim Europäischen Rat), ohne Hoheit über die Verfassung (die besteht aus unglaublich komplexen, selbst für Spezialisten nahezu unlesbaren zwischenstaatlichen Verträgen sowie aus Schlüsselentscheidungen des Europäischen Gerichtshofs) und ohne die Möglichkeit, die Regierung zu wählen oder abzuwählen (die ebenfalls aus dem Europäischen Rat besteht; Exekutive und Legislative in einem – das gibt es noch, oder schon wieder). Während ein Parlament, das seinen Namen verdient, seine Rechte und die der Regierung selbst bestimmt, werden sie hier von der Regierung begründet und begrenzt. Kein Wunder, dass die Briten, Erfinder der parlamentarischen Demokratie, so etwas nie ernst nehmen konnten. (…)

Weiterlesen auf zeit.de [Paywall]

Alternativas al corsé monetario del euro

El País, 15 de marzo, 2019.

La Unión Económica y Monetaria (UEM) fue un error histórico, no para Alemania –que originalmente estaba en contra pero se convirtió en su principal beneficiario— sino para los países mediterráneos, Francia incluida, que por distintas razones estaban impacientes por “europeizar” la moneda alemana. Esos países sufren, pero no por su elevada deuda, como sostiene Alemania, sino porque las distintas culturas económicas nacionales requieren distintos regímenes monetarios para permitir que sean internacionalmente competitivas sus distintas estructuras sociales e institucionales. Ya en 1992, Ralf Dahrendorf, el entonces director de la London School of Economics, señaló que algunos países, como Francia, han impulsado el crecimiento económico históricamente con deuda pública, mientras que otros, como Italia, dependían de la alta inflación para alimentar la demanda doméstica. Un país altamente dependiente de las exportaciones como Alemania requiere estabilidad monetaria. Impuesto en Europa en su conjunto, como sucedió durante los neoliberales años noventa, el régimen monetario a la alemana asegura mercados cautivos para las exportaciones alemanas e imposibilita las ocasionales devaluaciones a otros países para defender su competitividad internacional. (…)

Continúe en elpais.com
English version [PDF]

Globalization and the Transformation of the International State System

Norbert Lechner Lecture, Diego Portales University, Chile, November 14, 2018.

In a globally integrated capitalist economy borders between states are supposed to become economically irrelevant. Globalization is the ultimate form of liberalization; it shields free markets, instituted on a global scale, from national state intervention, in particular of a redistributive kind. Rather than markets located in states, under globalization states become located in markets. This has momentous consequences for the nature of statehood, both domestically and internationally. States located in markets lose the capacity to protect their economies and societies from market competition; in fact their economic role, if one is left for them at all, is to deregulate their national economies in order to make them more competitive, internally first and as a consequence externally as well. (…)

Links:
Video (youtube.com)
– Continue reading on catedranorbertlechner.cl [PDF]

Billige Tugend

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14. Oktober 2018, Seite 44.

Didier Eribon lag mit seiner Kritik an Sahra Wagenknecht in diesem Feuilleton falsch: Offene Grenzen sind noch keine Politik. Die Linken brauchen vielmehr einen neuen Internationalismus.

„Sahra Wagenknecht ist mitverantwortlich für das, was in Chemnitz geschehen ist, weil sie die sogenannte Migrantenproblematik zum Bestandteil der linken Agenda gemacht hat (. . .) Wagenknechts Aussage, sie sei gegen das Konzept offener Grenzen, (. . .) suggeriert, dass man mit ihr auch über Grenzzäune, Hunde und Internierungslager reden kann.“ Das ist eine Menge Holz, vor allem von jemand, der sich „in gewisser Weise“ für das „verantwortlich“ erklärt, was Wagenknecht so alles unternimmt. Ich habe, wie andere auch, Eribons „Rückkehr nach Reims“ – als Soziologe war er und ist er mir bis heute nicht aufgefallen – durchaus mit Bewegung gelesen. Hätte ich das Buch zu rezensieren gehabt, hätte ich den Dauertriumphalismus des Autors über seinen eigenen Bildungsaufstieg etwas nervig gefunden; Bildungsaufsteiger gibt es in unserer Generation ja nicht gerade selten. Wichtiger, mir wäre die geradezu ontologische Beschreibung der Arbeiterklasse, jeder Arbeiterklasse und nicht nur der Familie Eribon, als „rassistisch“ merkwürdig und bemerkenswert erschienen. (…)

Weiterlesen [PDF]