Schulz, Corbyn und der Brexit als Denkhilfe

Cicero 09/2017, S. 46-49

Im März endete die einst so stolze Partei der Arbeit (PvdA) bei den niederländischen Wahlen bei 5,7 Prozent, ein Verlust von 19 Punkten gegenüber 2012. Kurz darauf, im ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen, erreichte der Kandidat der noch regierenden Sozialistischen Partei 6,4 Prozent, und im ersten Wahlgang der anschließenden Parlamentswahl erhielt seine Partei 7,4 Prozent. Im Jahr davor gewann der Kandidat der österreichischen Sozialdemokratie im ersten Wahlgang der Präsidentenwahl nur noch 11,3 Prozent, und bei den Wahlen in Griechenland 2015 erreichte die Pasok, die Partei der drei Papandreous, 6,3 Prozent. (…)

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„Eine einzige grosse Republik“

NZZ Geschichte, 6. Juli 2017, Seite 6

Im vierten Band seiner monumentalen Geschichte des Niedergangs und Endes des Römischen Reichs, erschienen 1788, gelangt der grosse englische Historiker Edward Gibbon an den Punkt, an dem im ausgehenden 5. Jahrhundert das weströmische Kaisertum für immer erlosch. Bevor Gibbon sich nun endgültig der Geschichte von Byzanz zuwendet, hält er kurz inne, um im Rückblick auf mehr als vierhundert Jahre römischer Geschichte darüber nachzudenken, was aus den von ihm geschilderten «furchtbaren Umwälzungen» für die Gegenwart und Zukunft seiner Zeit zu lernen sei. Zwar sei es, so Gibbon, «die Pflicht des Patrioten, allein das Interesse und den Ruhm seines Vaterlandes im Sinn zu haben und zu fördern; aber dem Wissenschaftler mag es erlaubt sein, seinen Blick zu weiten und Europa als eine einzige grosse Republik zu betrachten, deren unterschiedliche Bewohner annähernd dasselbe zivilisatorische und kulturelle Niveau erreicht haben». Gibbon übrigens war Patriot und Europäer zugleich: Er gehörte zeitweise dem britischen Unterhaus an, verbrachte aber viele Jahre in der Schweiz und schrieb nicht nur auf Englisch, das er in unvergleichlicher Eleganz beherrschte, sondern auch auf Französisch – sogar sein Hauptwerk, von dem hier die Rede ist, hätte er beinah auf Französisch verfasst. Weiterlesen

Macron, el hombre

Saltamos.net, 10 de mayo del 2017

La elección de Emmanuel Macron es otro síntoma más de la crisis del sistema de Estados democrático-capitalista, similar a acontecimientos como Trump, el Brexit o el declive de la Eurozona. En Francia, al igual que en cualquier otro lugar, el sistema de partidos de posguerra, dominado por el centro izquierda y el centro derecha, se ha roto en añicos. Esto ha hecho posible el auge de un artista del buen rollo, un hombre de confianza de los altos mandatarios de la sociedad francesa –que simboliza juventud, optimismo y la promesa de un futuro brillante y hermoso–, un hombre procedente de la banca de inversión, que viene directamente catapultado desde los departamentos de relaciones públicas del sector financiero. (Continue)

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Playing Catch Up

Review of three recent books on Germany

London Review of Books, Vol. 39, No. 9, May 2017, pp. 26-28

How could Germany of all countries have become a paragon, politically stable and economically successful, of democratic capitalism in the 1970s – ‘Modell Deutschland’ – and later, in the 2000s, Europe’s uncontested economic and political superpower? Any explanation must have recourse to a Braudelian longue durée, in which destruction can be progress – utter devastation turned into a lasting blessing – because capitalist progress is destruction, of a more or less creative sort. In 1945 unconditional surrender forced Germany, or what was left of its western part, into what Perry Anderson has called a ‘second round of capitalist transformation’ of the sort no other European country has ever had to undergo. Germany’s bout was a violent – sharp and short – push forward into social and economic ‘modernity’, driving it for ever from the halfway house of Weimar, in a painful dismantling of structures of political domination and social solidarity, feudal fetters which had held back the country’s capitalist progress and which, in locally different manifestations, continue to block capitalist rationalisation in many other European countries. (Continue on lrb.co.uk)

Nicht ohne meine Nation

Die Zeit, 26. April 2017

Nationen und ihre Staaten, so wird uns versichert, sind „soziale Konstruktionen“. Aber das heißt nicht, dass sie jederzeit dekonstruiert werden können. Auch Familien, Bürokratien, Aktiengesellschaften sind soziale Konstruktionen; abschaffen kann man sie trotzdem nicht. Wenn es ein gemeinsames europäisches Haus geben soll, muss in ihm Platz für die europäischen Nationen sein. An ihnen vorbei wird es keine europäische politische Ordnung geben, sondern nur mit ihnen, durch sie und auf ihrer Grundlage. (Weiterlesen auf Zeit.de)