Besprechung von Helmut Willke, Demokratie in Zeiten der Konfusion, Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. März 2015
An Demokratiebegriffen herrscht kein Mangel, aber mit gutem Willen kann man sie in zwei Gruppen unterteilen: Demokratie als Problemlösung und Demokratie als Umverteilung. Einmal geht es um Effizienz und Kompetenz und um Probleme der Gesellschaft als ganzer, und Demokratie ist nötig, weil sie „intelligenter“ ist (Charles Lindblom) und „pathologisches Lernen“ in den Entscheidungszentren verhindert (Karl Deutsch): eine gute Demokratie ist die beste Technokratie. Ein andermal geht es um Gerechtigkeit – oder das, was der Demos dafür hält: den Schutz der kleinen Leute vor den großen. Demokratie zieht Probleme vor, die sonst nur weit hinten kämen; erschwert die Umwandlung öffentlicher in private Gewalt; ist nicht immer intelligent, dafür aber ein Dauerrisiko für die Chefetagen; plebejisch – oder heute: „populistisch“ – statt akademisch; explosiv; unsauber wie das Leben und eine ständige Mahnung für Befehlshaber aller Art, ihre Interessen nicht für die aller anderen zu halten. Weiterlesen

