„Nuit debout peut être porteur d’une transformation sociale de grande ampleur“

Le Monde, 3 mai 2016. English translation published on Verso Books Blog.

Par Collectif: Tariq Ali, écrivain ; Ludivine Bantigny, historienne; Patrick Chamoiseau, écrivain ; François Cusset, écrivain et historien ; Christine Delphy, sociologue ; Cédric Durand, économiste ; Elsa Dorlin, philosophe ; Annie Ernaux, écrivain ; Eric Fassin, sociologue ; Bernard Friot, sociologue ; David Graeber, anthropologue ; Nacira Guénif, anthropologue ; Razmig Keucheyan, sociologue ; Stathis Kouvelakis, philosophe ; Frédéric Lordon, philosophe ; Gérard Mordillat, écrivain ; Toni Negri, philosophe ; Leo Panitch, sociologue ; Paul B. Preciado, philosophe ; Wolfgang Streeck, sociologue ; Enzo Traverso, historien.

Les crises ouvrent le champ des possibles, et celle qui a commencé en 2007 avec l’effondrement du marché des subprimes ne déroge pas à la règle. Les forces politiques qui soutenaient l’ancien monde sont en voie de décomposition, à commencer par la social-démocratie, qui a franchi depuis 2012 une étape supplémentaire dans son long processus d’accommodement avec l’ordre existant. En face d’elles, le Front national détourne à son profit une partie de la colère sociale en jouant d’une posture prétendument antisystème, alors même qu’il n’en remet rien en cause, et surtout pas la loi du marché. (…)

„Pour que l’Europe soit sauvée, il faut lever le tabou sur les nations“

Erschienen auf LeMonde.fr. Gekürzte Fassung in Le Monde, 4. März 2016, Seite 13. Deutsche Originalfassung hier.

Le projet d’un Etat-providence européen a échoué depuis longtemps. L’Etat-providence existe encore en Europe, mais seulement au pluriel, à l’échelon national et en tant qu’acquis démocratique national. Son remplacement ou même son simple accompagnement par une « dimension sociale » conférée au marché unique, dont Jacques Delors s’était fait l’avocat dans les années 1990, est resté un vœu pieux. (…)

Brutish, nasty – and not even short: the ominous future of the eurozone

Appeared in The Guardian, August 17, 2015

Now the dust has temporarily settled over the ruins of Greece’s economy, it is worth asking if there wasn’t a brief moment when the actors had found a way to cut the eurozone crisis’s Gordian knot. At some point in July German finance minister, Wolfgang Schäuble, appeared to have realised that his dream of a “core Europe” with a Franco-German avant-garde would vanish into thin air if Greece was allowed to remain in the economic and monetary union. Rewriting the rules of the union to accommodate the Greeks, Schäuble realised, would pull the euro southwards, and France, Italy and Spain with it – forever breaking up the European core. (Continue)

Griechenlandkrise: Gefangen in der Eurozone

Debattenbeitrag für Spiegel Online, 8. Juli 2015. English translation published on Verso Books Blog.

Es gibt noch Fortschritt in Europa. Als der damalige griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou 2011 ein Referendum über die Austeritätswünsche seiner europäischen Kollegen abhalten wollte, wurde er von diesen kurzerhand abgesetzt.

Als Nachfolger entsandten Brüssel und Berlin einen gewissen Loukas Papademos, Vertrauensmann der internationalen Finanzindustrie, der Anfang der Nullerjahre als griechischer Zentralbankchef mithalf, sein Land mit Hilfe von Goldman Sachs Euro-würdig zu rechnen. So etwas ging diesmal nicht – dank eben jener Restbestände nationaler Demokratie, die die deutschen Europhilen zugunsten einer zukünftigen „europäischen Demokratie“ suspendieren wollen. Weiterlesen

The strikes sweeping Germany are here to stay

Appeared in The Guardian, May 22, 2015

German strikes once seemed like German jokes: a contradiction in terms. But no more: this year, Europe’s largest economy is on course to set a new record for industrial action, with everyone from train drivers, kindergarten and nursery teachers and post office workers staging walkouts recently. The strike wave is more than a conjunctural blip: it is another facet of the inexorable disintegration of what used to be the “German model”. Weiterlesen

German Hegemony: Unintended and Unwanted

Appeared, in an abbreviated version, in Le Monde diplomatique, May 2015. Italian translation appeared in il Mulino 4/2015 (PDF here).

Germany’s new European hegemony is a product of European Monetary Union in combination with the crisis of 2008. It was not Germany, however, which had wanted the Euro. Its export industries had since the 1970s lived comfortably with repeated devaluations of the currencies of Germany’s European trading partners, in response to which much of German manufacturing moved out of price-sensitive into quality-competitive markets. It was above all France which sought a common European currency, to end the felt humiliation of having to devalue the Franc against the Mark and, after 1989, to bind united Germany firmly into a, hopefully French-led, united Europe. Weiterlesen

Kunde oder Terrorist?

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Juli 2014. Abgedruckt in: Frank Schirrmacher (Hg.): Technologischer Totalitarismus. Eine Debatte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015, S. 247-256.

Es steht nicht gut um die Demokratie. Die Wahlbeteiligung in den Ländern des Hochkapitalismus geht seit Jahrzehnten zurück; die Parteien verlieren Mitglieder und überaltern; den Gewerkschaften geht es genauso; fiskalische Konsolidierung und sklerotische öffentliche Haushalte treiben den politischen Handlungsspielraum gegen null; die „Märkte“ disziplinieren die Staaten, nicht umgekehrt; Sozial- und Wirtschaftspolitik sind längst in die Hände von Zentralbanken, Ministerräten und internationalen Organisationen übergegangen, wo sie vor dem Volkswillen sicher sind; in der Mitte der „marktkonformen Demokratie“ (Merkel) gibt es zum Neoliberalismus „keine Alternative“ (Thatcher); als Folge haben Rechts- und Protestparteien Zulauf wie nie zuvor seit dem Krieg; und was an Wahlprogrammen in Umlauf gebracht wird, wird für teures Spenden- oder Steuergeld von Marketingspezialisten hergestellt, denen egal ist, dass die Pakete, die sie verpacken, alle gleich leer sind. „Postdemokratie“, so weit das Auge reicht. Weiterlesen

Es ist so weit

Erschienen in leicht gekürzter Fassung am 5. Feburar 2015 in der Wochenzeitung Die Zeit. Französische Übersetzung in Le Monde vom 3. März, englische Übersetzung im Verso Books Blog und niederländische Übersetzung im Blog des Leesmagazijn Verlags.

Wenn alles gutgeht, ist das, was sich dieser Tage vor unser aller Augen abspielt, der Anfang vom Ende der Europäischen Währungsunion. „Scheitert der Euro, so scheitert Europa“, so die Kanzlerin, als es darum ging, den Wählern einen dieser unsäglichen „Rettungsschirme“ für die europäischen Banken zu verkaufen. Umgekehrt wird nun ein Schuh daraus. Der Euro ist dabei, Europa zu zerstören. Scheitert der Euro – aber das muss rasch geschehen! – könnte es sein, dass Europa am Ende doch nicht scheitert. Sicher freilich ist das nicht; zu tief sind die Wunden, die die Währungsunion schon geschlagen hat. Weiterlesen

Falscher Fortschrittsglaube

Handelsblatt, 31. Oktober 2014

Nicht jede Krise endet mit einer Lösung: nach der Krise kann vor der Krise sein. Manchmal endet eine Krise aber auch mit einem Ende. Dass der Kapitalismus von heute sich in einer Krise befindet, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Aber geht es mit ihm zuende? Seit es den Kapitalismus als Gesellschaft gibt, also seit dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, wurde ihm sein bevorstehender Untergang vorhergesagt: von John Steward Mill, Karl Marx, Max Weber, Joseph Schumpeter, John Maynard Keynes und anderen. Heute, durch Erfahrung klug geworden, zögern wir, uns in dieser Hinsicht festzulegen. Dies, obwohl wir wissen, dass es sich bei der kapitalistischen Gesellschaft, wie bei jeder anderen, um eine historische Formation handelt, die einen Anfang hatte und deshalb auch ein Ende haben müsste. Weiterlesen