Imaging Europe: Beaucratic Narratives and Ideological Dreams

The Frisby Memorial Lectures, University of Glasgow, September 19, 2017

The European Union is not Europe. Europe is a two thousand year old civilizational landscape housing a multitude of different but related societies. The European Union is a political construct dating from the 1950s that has in its short lifetime undergone continuous deep transformation. Like earlier political constructs in Europe, it seeks legitimacy by encouraging stories about itself that connect it to Europe as a continent and its supposed historical purpose, cultural identity, and moral unity. European cultural and historical narratives deployed to legitimate the European Union as a political project are the latest in a long line of earlier stories of Europe, each linked to the political and economic objectives and power relations of the day. Like other ideologies, they are dropped and replaced depending on what political opportunities allow or require; they tell us more about Europe’s politics than about Europe. Identification with Europe as a civilization does not require identification with the European Union as a political construction. Depending on the changing condition of the latter it may in fact be incompatible with it.

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Auf der Suche nach der Zusatzbevölkerung

Die Zeit, 21. September 2017, Seite 45-46

Reiche Länder mit niedriger Geburtenrate und deshalb langfristig schrumpfender Arbeitsbevölkerung sind auf Masseneinwanderung angewiesen. Kurz bevor die Regierung Merkel im September 2015 monatelang die deutschen Grenzen öffnete, hatte Prognos eine Studie veröffentlicht, der zufolge Deutschland bis 2040 eine jährliche Netto-Einwanderung von einer halben Million Personen benötigte, nur um das nationale Arbeitsangebot konstant zu halten. Ein Jahr davor hatte eine umfangreiche Evaluation der deutschen Familienpolitik ergeben, dass der deutsche Staat pro Jahr etwa 200 Milliarden Euro für familienbezogene Programme ausgibt, weit mehr als vergleichbare Länder, ohne dass dies die Lücke zwischen Geburtenrate und Bevölkerungsersatzrate auch nur annähernd geschlossen hätte. (…)

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Between Charity and Justice: Remarks on the Social Construction of Immigration Policy in Rich Democracies

Danish Centre for Welfare Studies, Working Paper 2017-5, September 2017

As a sociologist working on political economy, one of the most difficult questions I encounter is how social norms, the location of actors in the class structure and the collective construction of reality, present and future, hang together. How are facts construed to fit, justify and make appear possible moral or economic practices, or economic practices defended as moral ones, and how do socially constructed factual accounts of the world reflect, preserve and produce political identities and cleavages and the prevailing interpretations of structurally based social interests? This is the classical theme of Ideologiekritik and, later, Wissenssoziologie – the interrogation of collective “ideas”, legitimacy-enhancing “narratives” and the conceptual “frames” of the common sense of the time as to the hidden impact on them of material interests growing out of the social locations of actors and the specific cognitive and moral perspectives they impose on them. (…)

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Schulz, Corbyn und der Brexit als Denkhilfe

Cicero 09/2017, S. 46-49

Im März endete die einst so stolze Partei der Arbeit (PvdA) bei den niederländischen Wahlen bei 5,7 Prozent, ein Verlust von 19 Punkten gegenüber 2012. Kurz darauf, im ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen, erreichte der Kandidat der noch regierenden Sozialistischen Partei 6,4 Prozent, und im ersten Wahlgang der anschließenden Parlamentswahl erhielt seine Partei 7,4 Prozent. Im Jahr davor gewann der Kandidat der österreichischen Sozialdemokratie im ersten Wahlgang der Präsidentenwahl nur noch 11,3 Prozent, und bei den Wahlen in Griechenland 2015 erreichte die Pasok, die Partei der drei Papandreous, 6,3 Prozent. (…)

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„Eine einzige grosse Republik“

NZZ Geschichte, 6. Juli 2017, Seite 6

Im vierten Band seiner monumentalen Geschichte des Niedergangs und Endes des Römischen Reichs, erschienen 1788, gelangt der grosse englische Historiker Edward Gibbon an den Punkt, an dem im ausgehenden 5. Jahrhundert das weströmische Kaisertum für immer erlosch. Bevor Gibbon sich nun endgültig der Geschichte von Byzanz zuwendet, hält er kurz inne, um im Rückblick auf mehr als vierhundert Jahre römischer Geschichte darüber nachzudenken, was aus den von ihm geschilderten «furchtbaren Umwälzungen» für die Gegenwart und Zukunft seiner Zeit zu lernen sei. Zwar sei es, so Gibbon, «die Pflicht des Patrioten, allein das Interesse und den Ruhm seines Vaterlandes im Sinn zu haben und zu fördern; aber dem Wissenschaftler mag es erlaubt sein, seinen Blick zu weiten und Europa als eine einzige grosse Republik zu betrachten, deren unterschiedliche Bewohner annähernd dasselbe zivilisatorische und kulturelle Niveau erreicht haben». Gibbon übrigens war Patriot und Europäer zugleich: Er gehörte zeitweise dem britischen Unterhaus an, verbrachte aber viele Jahre in der Schweiz und schrieb nicht nur auf Englisch, das er in unvergleichlicher Eleganz beherrschte, sondern auch auf Französisch – sogar sein Hauptwerk, von dem hier die Rede ist, hätte er beinah auf Französisch verfasst. Weiterlesen