„Eine einzige grosse Republik“

NZZ Geschichte, 6. Juli 2017, Seite 6

Im vierten Band seiner monumentalen Geschichte des Niedergangs und Endes des Römischen Reichs, erschienen 1788, gelangt der grosse englische Historiker Edward Gibbon an den Punkt, an dem im ausgehenden 5. Jahrhundert das weströmische Kaisertum für immer erlosch. Bevor Gibbon sich nun endgültig der Geschichte von Byzanz zuwendet, hält er kurz inne, um im Rückblick auf mehr als vierhundert Jahre römischer Geschichte darüber nachzudenken, was aus den von ihm geschilderten «furchtbaren Umwälzungen» für die Gegenwart und Zukunft seiner Zeit zu lernen sei. Zwar sei es, so Gibbon, «die Pflicht des Patrioten, allein das Interesse und den Ruhm seines Vaterlandes im Sinn zu haben und zu fördern; aber dem Wissenschaftler mag es erlaubt sein, seinen Blick zu weiten und Europa als eine einzige grosse Republik zu betrachten, deren unterschiedliche Bewohner annähernd dasselbe zivilisatorische und kulturelle Niveau erreicht haben». Gibbon übrigens war Patriot und Europäer zugleich: Er gehörte zeitweise dem britischen Unterhaus an, verbrachte aber viele Jahre in der Schweiz und schrieb nicht nur auf Englisch, das er in unvergleichlicher Eleganz beherrschte, sondern auch auf Französisch – sogar sein Hauptwerk, von dem hier die Rede ist, hätte er beinah auf Französisch verfasst. Weiterlesen

Macron, el hombre

Saltamos.net, 10 de mayo del 2017

La elección de Emmanuel Macron es otro síntoma más de la crisis del sistema de Estados democrático-capitalista, similar a acontecimientos como Trump, el Brexit o el declive de la Eurozona. En Francia, al igual que en cualquier otro lugar, el sistema de partidos de posguerra, dominado por el centro izquierda y el centro derecha, se ha roto en añicos. Esto ha hecho posible el auge de un artista del buen rollo, un hombre de confianza de los altos mandatarios de la sociedad francesa –que simboliza juventud, optimismo y la promesa de un futuro brillante y hermoso–, un hombre procedente de la banca de inversión, que viene directamente catapultado desde los departamentos de relaciones públicas del sector financiero. (Continue)

English version [PDF]

Nicht ohne meine Nation

Die Zeit, 26. April 2017

Nationen und ihre Staaten, so wird uns versichert, sind „soziale Konstruktionen“. Aber das heißt nicht, dass sie jederzeit dekonstruiert werden können. Auch Familien, Bürokratien, Aktiengesellschaften sind soziale Konstruktionen; abschaffen kann man sie trotzdem nicht. Wenn es ein gemeinsames europäisches Haus geben soll, muss in ihm Platz für die europäischen Nationen sein. An ihnen vorbei wird es keine europäische politische Ordnung geben, sondern nur mit ihnen, durch sie und auf ihrer Grundlage. (Weiterlesen auf Zeit.de)

Die Wiederkehr der Verdrängten als Anfang vom Ende des neoliberalen Kapitalismus

In: Heinrich Geiselberger (Hrsg.): Die große Regression – Eine internationale Debatte über die geistige Situation der Zeit. Suhrkamp, Berlin 2017, S. 253-274.

„Der Weg in die Zukunft, in eine neue Expansion, wie sie jedem Kapital Herzensanliegen ist, führte nach draußen: in die noch erfreulich unregierte Welt einer grenzenlosen globalen Ökonomie, in der Märkte nicht mehr in Staaten, sondern Staaten in Märkte eingeschlossen sind.“

Mehr Informationen
For more information


English translation:

The Return of the Repressed

New Left Review, Vol. 104, March-April 2017, pp. 5-18.

Read the full article here

Trump and the Trumpists

Inference, Vol. 3 (2017), No. 1 (for Table of Contents, see here)
Replies here

Strange personalities arise in the cracks of disintegrating institutions. They are often marked by extravagant dress, inflated rhetoric, and a show of sexual power. The first Trumper of the postwar era was the Danish tax rebel, Mogens Glistrup, the founder of the nationalist Progress Party, who, having put his principles into practice, went to prison for tax evasion. Geert Wilders in the Netherlands and Boris Johnson in England are hairstyle Trumpers. Pim Fortuyn and Jörg Haider were both dandies. They died in their finery. Beppe Grillo, Nigel Farage, and Jean-Marie Le Pen, are each one third of a full Trump. (Continue reading)