Governance heißt das Zauberwort, das alle Konfusion beenden soll

Besprechung von Helmut Willke, Demokratie in Zeiten der Konfusion, Suhrkamp Verlag, Berlin 2014

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. März 2015

An Demokratiebegriffen herrscht kein Mangel, aber mit gutem Willen kann man sie in zwei Gruppen unterteilen: Demokratie als Problemlösung und Demokratie als Umverteilung. Einmal geht es um Effizienz und Kompetenz und um Probleme der Gesellschaft als ganzer, und Demokratie ist nötig, weil sie „intelligenter“ ist (Charles Lindblom) und „pathologisches Lernen“ in den Entscheidungszentren verhindert (Karl Deutsch): eine gute Demokratie ist die beste Technokratie. Ein andermal geht es um Gerechtigkeit – oder das, was der Demos dafür hält: den Schutz der kleinen Leute vor den großen. Demokratie zieht Probleme vor, die sonst nur weit hinten kämen; erschwert die Umwandlung öffentlicher in private Gewalt; ist nicht immer intelligent, dafür aber ein Dauerrisiko für die Chefetagen; plebejisch – oder heute: „populistisch“ – statt akademisch; explosiv; unsauber wie das Leben und eine ständige Mahnung für Befehlshaber aller Art, ihre Interessen nicht für die aller anderen zu halten. Weiterlesen →

Sparen um jeden Preis

Besprechung der deutschen Übersetzung des Buchs von Mark Blyth, Austerity: The History of a Dangerous Idea (Wie Europa sich kaputtspart: Die gescheiterte Idee der Austeritätspolitik. Berlin: Verlag J.H.W. Dietz Nachf.).

Ungekürzte Fassung. Süddeutsche Zeitung, 24. Februar 2015

Was ist wichtiger in der Politik, Ideen oder Interessen? Mark Blyth, Politikwissenschaftler an der Brown University in Providence, Rhode Island, hat schon früh auf den Primat von Ideen gesetzt. Politik, so Blyth, kann falsch oder richtig sein; richtig aber nur, wenn sie nicht falschen Ideen aufsitzt. Falsche Ideen können zu Obsessionen werden; um sie auszuräumen, braucht es Wissenschaft, aber auch Rhetorik. Beides liefert Blyth in seinem zuerst 2013 und nunmehr auch auf Deutsch erschienenen eindrucksvollen Buch. Weiterlesen →

The Politics of Exit

Review of Peter Mair, Ruling the Void: The Hollowing of Western Democracy, Verso: London and New York, 2013

New Left Review, Vol. 88, July and August 2014, pp. 121-129

Much of what is now mainstream political science tends to be rather boring. Following the lead of American departments and journals, research on issues of real intrinsic interest, such as the changing character of political parties, seems to be stuck in endless attempts to model the choice between office-seeking and policy-seeking, the interaction between ‘vote-maximizing’ parties and ‘utility-maximizing’ voters, the organization of voter preferences or the dynamics of coalition formation — all in timelessly general property spaces, designed to lend themselves to representation by complex sets of formal equations.

There are, however, exceptions. Among the most remarkable of these, until his untimely death in the summer of 2011, was Peter Mair, professor of comparative politics at the European University Institute in Florence. Widely respected, especially on the European side of his profession, Mair preserved a keen understanding of both the history and the purpose of the study of democracy. (…)

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