In: Jacobin, 01. Oktober 2026
Nach den Landtagswahlen 2026 zeichnet sich das Ende der politischen Mitte ab. Aus ihrem Zerfall könnte ein neues Parteiensystem hervorgehen – mit mehr Parteien, breiteren Bündnissen und experimentelleren Regierungen.
Lassen wir die Kirche im Dorf. Bis zur Machtergreifung der AfD wird es noch ein paar Jahre dauern. Als einzige Partei hat die AfD in allen fünf Landtagswahlen des nun ablaufenden Jahres Stimmen gewonnen, in keiner aber eine absolute Mehrheit. Ihr höchstes Ergebnis, 43,8 Prozent in Sachsen-Anhalt, übertrifft ihr niedrigstes, 16,3 Prozent in Berlin, um mehr als das Zweieinhalbfache. Im Durchschnitt aller fünf Wahlen lag die AfD bei 27,3 Prozent. Ihre größten Gewinne erzielte sie in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, beides Länder mit sehr wenigen Wahlberechtigten (1,7 respektive 1,3 Millionen, bei insgesamt 60,5 Millionen in Deutschland), in denen die CDU besonders schlecht abschnitt. Dass in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in den letzten fünf Jahren so viele CDU-Wähler zu Neonazis geworden sein sollen, will nicht einleuchten.Überhaupt gibt es für die fünf Landtagswahlen mehr Trends als nur den einen AfD-Trend. Regionale Sonderbedingungen spielten eine wichtige Rolle, beispielsweise schwache beziehungsweise starke amtierende Ministerpräsidenten (Sachsen-Anhalt und Berlin einerseits, Mecklenburg-Vorpommern andererseits). Die Grünen stagnierten, mit Verlusten in drei der fünf Länder; die CDU verzeichnete in den zwei westdeutschen Flächenstaaten Zugewinne, wenn auch moderate (in Baden-Württemberg, mit 7,7 Millionen Wahlberechtigten, hätte sie allerdings um Haaresbreite beinah gewonnen; und in Rheinland-Pfalz, mit 2,9 Millionen Wahlberechtigten, gewann sie); und die Linke gewann in drei der fünf Wahlen dazu: in den beiden Westländern und, vor allem, in Berlin (2,5 Millionen Wahlberechtigte), wo sie fast 10 Prozentpunkte vor der AfD landete……
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