Between Charity and Justice: Remarks on the Social Construction of Immigration Policy in Rich Democracies

Appeared in Culture, Practice & Europeanization, August 2018, Vol. 3, No. 2, pp. 3-22

As a sociologist working on political economy, one of the most difficult questions I encounter is how social norms, the location of actors in the class structure and the collective construction of reality, present and future, hang together. How are facts construed to fit, justify and make appear possible moral or economic practices, or economic practices defended as moral ones, and how do socially constructed factual accounts of the world reflect, preserve and produce political identities and cleavages and the prevailing interpretations of structurally based social interests? This is the classical theme of Ideologiekritik and, later, Wissenssoziologie. Both interrogate the collective “ideas”, the legitimacy-enhancing “narratives” and the conceptual “frames” of the common sense of the time as to the hidden impact on them of material interests growing out of the social locations of actors and the specific cognitive and moral perspectives they impose on them. It cannot possibly be my intention here to try to present a complete analysis of this extremely complicated subject. Rather, I will limit myself to exploring a few selected facets of the interconnections between interests, politics and moral values, drawing for illustration on one of the most intriguing moral-political-economic issues in the rich democracies of today, which is immigration. (…)

Continue reading on uni-flensburg.de

Die Zukunft der Linken

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04. August, 2018, Seite 9

Nach dem Eintritt der SPD in eine weitere große Koalition gibt es in Deutschland derzeit keine oppositionelle Machtperspektive mehr. Die Scholz-Nahles-SPD schrumpft unaufhaltsam; mit ihrer „Erneuerung“ hat sie noch nicht einmal angefangen. Die Linkspartei wird durch ihren sektiererischen Flügel gelähmt, und die Grünen sind zu Merkels letzter Einsatzreserve mutiert. Wer sich nicht in die schwarz-rot-grüne Einheitsfront einreihen will, dem bleiben nur Protestwahl oder Wahlenthaltung. So landet mancher bei der AfD, der dort nicht landen müsste. Zugleich sind viele linke Mitglieder der SPD von vielen nicht-sektiererischen Mitgliedern der Linkspartei nicht zu unterscheiden, und dasselbe gilt für viele Nichtwähler. Alle diese könnten in einer neu organisierten Schnittmenge von linker SPD und realistischer Linker eine wahlpolitische Heimat finden. (…)

Weiterlesen auf faz.net [Bezahlschranke]
Download [PDF]
Download English version [PDF]

Wir müssen aufstehen

Die Zeit, 30. August 2018, Seite 40

Der Wunsch nach einer linken Sammlungsbewegung ist nicht „fremdenfeindlich“. Eine Antwort auf Colin Crouch

Sollte jemand, der sich als „fremdenfeindlich“ beschrieben findet, nicht mindestens verlangen dürfen, dass ihm erklärt wird, was genau das sein soll? In Colin Crouchs Artikel in der ZEIT vom 16. August finde ich nicht weniger als zwölf Stellen, an denen der Versuch der linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“, die deutsche Politik aus ihrer babylonischen Gefangenschaft zwischen Merkelschem Opportunismus und politikunfähiger no border-Illusion zu befreien, mit „Fremdenfeindlichkeit“ oder gar „Ausländerhass“ in Verbindung gebracht wird. Das ist ein starkes Stück, wenn man bedenkt, dass in unseren Kreisen „Fremdenfeinde“ oder gar „Ausländerhasser“ als nicht satisfaktionsfähige Proto-Faschisten gelten.

Ist Fremdenfeind, wer Einwanderer als Konkurrenten um Arbeits-, Kita- und Wohnplätze erlebt und deshalb Einwanderung begrenzt sehen will? Wer für seine Kinder funktionsfähige öffentliche Schulen braucht, weil er nicht umziehen oder auf private Schulen ausweichen will oder kann? Wer um seine traditionelle, regional geerdete Lebensweise fürchtet? Wer zwischen erwünschten und unerwünschten Neuankömmlingen unterscheiden will? Sind die alle gleichzusetzen mit denen, die an Schwächeren ihr sadistisches Mütchen kühlen, Deutsche türkischer Abstammung nach Anatolien vertreiben oder gar die Unterkünfte von Flüchtlingen anzünden wollen („Ausländerhasser“)? Mein Eindruck ist, dass für Crouch alles diesseits von no border „fremdenfeindlich“ ist. (…)

Weiterlesen auf zeit.de

Germany’s European Empire

Interview by Loren Balhorn, translation by Zachary Murphy King, Jacobin Magazine, August 2018
First published in German as Das deutsche Imperium europäischer Nation, Ada Magazin, July 2018

Let’s start with a simple question: what is your evaluation of Germany’s grand coalition after its first one hundred days? Is it a necessary evil, or would you have preferred something else?

No, no preferences. Maybe if there were any prospect that the left wing of an SPD [Social Democratic Party] in opposition would find itself forced to engage more with the non-sectarian elements in Die Linke, so that something new might emerge in the intersection where the Left could have something approaching prospects for taking power. But that would have been unlikely to happen even under a “Jamaica” government [i.e., a coalition between Angela Merkel’s Christian Democrats, the Greens, and the Free Democrats].

Are you worried about the possibility of new elections, given the ongoing dispute between Angela Merkel and her right-wing coalition partner, Horst Seehofer?

No, not at all. It would make no difference, except that the SPD would fall below fifteen percent, and the Greens would replace the CSU [Christian Socialist Union, the Christian Democrats’ Bavarian affiliate] in a “Merkel V” government. (…)

Continue reading on jacobinmag.com

Das deutsche Imperium europäischer Nation

Interview mit Loren Balhorn, Ada Magazin, Juli 2018

Beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wie schätzen Sie die große Koalition nach ihren ersten 100 Tagen ein? Notwendiges Übel, oder wäre Ihnen etwas anderes lieber gewesen?

Nein, keine Präferenzen. Vielleicht wenn Aussicht bestünde, dass eine SPD-Linke in der Opposition sich gezwungen sähe, sich mehr als bisher auf die nicht-sektiererischen Elemente in der Linkspartei einzulassen, so dass in der Schnittstelle etwas Neues entstehen könnte: eine Linke mit so etwas wie einer Machtperspektive. Aber dazu wäre es wohl auch unter einer Jamaika-Regierung nicht gekommen.

Machen Sie sich Sorgen über die Möglichkeit vor Neuwahlen angesichts des andauernden Streits zwischen Merkel und Seehofer?

Nein, überhaupt nicht. Das macht alles keinen Unterschied. Außer dass die SPD unter 15 Prozent fallen würde und die Grünen die CSU in einer Regierung „Merkel V“ ersetzen würden. (…)

Weiterlesen auf adamag.de

L’Europe sous Merkel IV : l’équilibre de l’impuissance

Original title: Europe under Merkel IV: Balance of Impotence, appeared in American Affairs Journal Volume II, Number 2 (Summer 2018): 162–92. French translation.

L’Europe, telle qu’elle est organisée – ou désorganisée – dans l’Union européenne (UE), est un étrange animal politique. Elle comprend d’abord les politiques intérieures de ses États membres qui, au fil du temps, se sont profondément entrelacées. Deuxièmement, les États membres, qui sont encore des États-nations souverains, poursuivent des intérêts définis au niveau national par le biais de politiques étrangères nationales dans le cadre des relations internationales intra-européennes. Troisièmement, ils ont le choix entre s’appuyer sur une variété d’institutions supranationales ou sur des accords intergouvernementaux entre coalitions choisies de volontaires. (…)

Continuez sur les-crises.fr

Ein Weltbürger ist nirgendwo Bürger

Die Zeit, 21. Juni 2018, Seite 40

Kosmopolitismus klingt gut, verpflichtet aber zu nichts: Plädoyer für einen lokalen Patriotismus

Thomas » Tip« O’Neill (1912-1944) war einer der letzten allseits respektierten Politiker der Demokratischen Partei der USA. Aus der irischen Gemeinde Bostons stammend, war er fast ein halbes Jahrhundert lang Parlamentarier, erst in Massachusetts, dann für 33 Jahre im Kongress in Washington, wo er von 1977 bis 1987, länger als jeder seiner Vorgänger, » Sprecher« des Repräsentantenhauses war. Seine lange politische Erfahrung fasste er in einem Satz zusammen: » All politics is local« – jede Politik ist Lokalpolitik. (…)

Weiterlesen auf zeit.de [Bezahlschranke]